Dialog zur Bewirtschaftung des Schönbuch – zweite Runde

Am 17.10. fand auf Einladung des RP Tübingen und der Naturparkverwaltung unter Leitung von Herrn Strittmatter die zweite Gesprächsrunde zum Thema Waldbewirtschaftung im Schönbuch statt. Eingeladen waren die Regierungspräsidien, die Naturschutzverbände und -Vereine, die Förster und Waldarbeiter, Vertreter der Holzvermarktung und zweier Bürgerinitiativen. Anwesend waren ca. 40 Personen, darunter 2 Frauen. Herr Dr. Murschel, der die erste Runde im April 2014 im Stuttgarter Abgeordnetenhaus initiiert hatte, begleitete die Sitzung. Ich möchte für Interessierte kurz über die Inhalte berichten.

Im Anschluss an zwei Vorträge der Forstdirektion, die den rechtlichen Rahmen, die
Forsteinrichtung, Inventuren und Vollzugskontrolle, sowie die aktuelle Entwicklung bei der Auswahl der Erntemethodik und des Maschineneinsatzes im Schönbuch für den Staatswald und acht Gemeindewälder darstellten, ging es in eine lebhafte Diskussion.

Grundsätzliche Einigkeit besteht in der Betonung des sehr hohen Stellenwerts des Bodenschutzes. Waldarbeiter, Förster wie auch wir Vertreter der Bürgerschaft äußerten sich gleichermassen betroffen angesichts der Schäden, die die letztjährige Ernte nach der Befahrung hinterließ. Weiterlesen

Forstwirtschaft als „Männerdomäne“ – ein interessanter Aspekt

Aktuelle Lektüre-Erfahrungen, abseits des großen Weltgeschehens:

Die evangelische Kirchengemeinde Pfrondorf kündigte für den 12.10.2014 einen Gottesdienst an zum Thema „Forstwirtschaft als Wirtschaftsfaktor“. Mit den Worten „Aus dem ökologischen Sorgenkind Wald wurde ein zukunftsträchtiger Wirtschaftsfaktor!“ und einem Ausrufezeichen am Ende lädt man die Bürger zum Gottesdienst mit einem Forstbeamten ein. Als Jahresthema steht „Kunststück“ über dem Ganzen. Ich war letzte Woche schon etwas überrascht darüber, dass die Kirche sich auf diese Weise dem Thema Wald – und dem christlichen Symbol des Lebensbaumes – nähert. Leider war es mir zeitlich nicht möglich, der Veranstaltung beizuwohnen.

Quellen- und Perspektivenwechsel: Die aktuelle ZEIT-Ausgabe vom 9.10.2014 beschäftigt sich intensiv mit der „Wut der Männer“ angesichts von Frauenquoten in der Wirtschaft. Das Dossier spricht von einer Allianz, die sich gegen die „Subventionierung des weiblichen Geschlechts“ formiere. Die AfD wird als Sammelbecken konservativer Interessen erwähnt –  als Faktum ist das wenig überraschend – , und man gibt den Hinweis auf Internetseiten, auf denen – niveaulos – gegen weibliche „Schreckschrauben“ polemisiert wird.

Beide Lektüre-Erfahrungen stehen für sich, sie haben mich angesichts unserer Initiative auch zunächst ganz unabhängig voneinander (!) jeweils nachdenklich gestimmt.

Beide Male fiel mir im Reflektieren, im Rückblick auf’s Erlebte dann doch die folgende Erfahrung auf: Fragen an die Forstverwaltung zu stellen heißt für uns Schönbuch-Aktive bisher stets, ausschließlich mit Männern in Kontakt zu treten;  mit Männern, die den „Wirtschaftsfaktor“ Holz positiv betonen; die die aktuell vorhandene Belastung der Böden bei der Ernte, die optisch anschliessend sehr zynisch anmutenden Rückegassen-Schneisen hingegen als unvermeidbare Begleiterscheinung, oder gar als „Nachhaltigkeit“ rechtfertigen.

„Nachhaltige Begleiterscheinung“?

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Ein Brief von Waltraud Kappler

Sehr geehrter Herr Fink,

ein Artikel mit Foto von der Verwüstung des Schönbuchs in der vergangenen Woche in der Böblinger Zeitung machte mich auf Ihre Interessengemeinschaft aufmerksam.

Es wurde mir bewusst, dass beim fast täglichen Gehen durch den Schönbuchwald nicht nur mir mein Herz blutet und nicht nur ich mich maßlos ärgere.

Ich bin in Pfrondorf geboren, wohne aber in Böblingen. Mutter und Geschwister wohnen immer noch in Pfrondorf, mein Bruder ganz in Ihrer Nähe. Der Schönbuch war immer und ist mein Frischequell. ob in Pfrondorf, beim weißen Stein, oder Bebenhausen: Der Frevel beim Eichenfirst ist kein Einzelfall, auch zwischen weißer Stein, Bebenhausen und Golfplatz sieht der Wald und der Waldboden verwüstet aus. Tonnenschwere Fahrzeuge und Maschinen haben auch da rücksichtslos gewütet.

Wenn man den Holzeinschlag überall beobachtet, ob nun am Eichenfirst, im Hägnachwald, im Böblinger oder Bebenhäuser Wald, könnte man meinen, dass beschlossen wurde, alle die weit mehr als 100 Jahre alten Eichen und Buchen, die Wächter unseres Schönbuchwaldes, zu entfernen. Scheinbar regiert auch im Wald nur noch das Geld. Warum sieht man aber dann mancherorts schöne, alte Stämme nach mehr als 2 Jahren immer noch am Wegrand liegen? Teilweise schon von Gras und Moosen überwuchert. Wurde doch zu viel geschlagen? Trotzdem sieht man oft an jenen Stellen immer noch uralte, hohe Bäume stehn, welche die rote Fällmarkierung tragen.

Man fragt sich, wie viel Hirn die Verantwortlichen eigentlich haben? Auch die an den Erntestellen kreuz und quer aufgetürmten Baumkronen, ungeachtet der dortigen Jungpflanzen, welche oft schon 1 Meter hoch stehen, bringen einen zum Weinen.

Nichts gegen ausgewiesene Bannwälder im Schönbuch, der Artenvielfalt zuliebe. Dort wüten auch keine tonnenschweren Kolosse, und Baumkronen werden nicht abgesägt und einfach achtlos in den Wald geworfen und aufgetürmt. Hier sind Wald und Natur sich völlig selbst überlassen.

Ich kenne den Wald noch anders. Bin Jahrgang 44 und ging während meiner Schulzeit noch mit Mutter am Mittwochnachmittag in den sogenannten Holztag. Das am Boden liegende Holz wurde von Hand gesammelt und mittels Bollerwagen nach Hause gezogen. Mir sind in jener Zeit mehr Wild, mehr Vogelarten und Kriechtiere begegnet als heute. Es gab mehr Pflanzen am Waldboden wie Maiglöckchen, Anemonen, Scilla, Immergrün, Veilchen, Fingerhut, Frauenschuh und Seidelbast, aber weniger Bärlauch. Von wegen man brauche dieses Wald-Holz-Chaos der Artenvielfalt zu liebe!

Anbei die Satire „das Arme Reh“, welche ich schon Anfang 2012 schrieb, und einige meiner Schönbuchgedichte, ebenfalls aus dieser Zeit. Wenn man heute die Verwüstungen im Schönbuchwald sieht, lesen sich meine Gedichte fast wie aus einer anderen Zeit.

Mit freundlichen Grüßen

Waltraud Kappler

P.S.: Die Gedichte von Frau Kappler werden wir zeitnah auf die Webseite stellen.

 

Strategiediskussion für das „Waldgebiet des Jahres – Naturpark Schönbuch“ – beteiligen Sie sich…

Dr. Bernd Murschel, Landtagsabgeordneter der Grünen, hat die Bürgerinitiative auf den 29. April zu einer Diskussionsrunde über den Schönbuch als mögliche „Vorbildlandschaft für naturnahe Erholung und Umweltbildung, als Natur- und Kulturerbe, als Partner der regional verankerten Wirtschaft sowie von Klimaschutz und Energiewende“ ins Haus der Abgeordneten eingeladen.

Es freut uns sehr, dass die Grünen im Landtag unsere – bereits im Januar in einer Diskussion mit Herrn MdL Lede Abal platzierte – Anregung, den Schönbuch als „Wald des Jahres“ zu einem Modellprojekt für die Zukunft zu machen, in dieser Form nun aufgreifen.

„Zielsetzung des Informationsaustausches ist es, Entwicklungsperspektiven für den Schönbuch an den Schnittstellen der Themenfelder Forst, Naturschutz und Tourismus aufzuzeigen“, schreibt Herr Dr. Murschel.

Auch Sie, liebe Leser, sind eine wichtige Schnittstelle: die der Bürgerschaft. Wir möchten Sie einladen, sich mit uns vorab auszutauschen, uns Ihre Ideen für die künftige Entwicklung des Naturparks zu nennen. Nutzen Sie die Gelegenheit!

Wie nehmen Sie als Spaziergänger, Wanderer, Radtourer, Mountainbiker, Naturfreunde, Waldliebhaber, … den Schönbuch heute wahr? Was ist aus Ihrer Sicht bereits vorbildlich, und wo sehen Sie Verbesserungspotenzial? Welche Wünsche haben Sie für den Schönbuch als Natur- und Kulturerbe, als Naherholungsgebiet? Wie sehen Sie die aktuelle Bewirtschaftung und den Umgang mit den Ernteschäden auf den Wegen?

Das freie Spiel des globalisierten Marktes prägt heute auch die Bewirtschaftung unseres Naturparks. Finden Sie es „nachhaltig“, angesichts des Klimawandels Holz aus dem Schönbuch zu ernten, um es nach Asien zu exportieren? Solche Exporte finden – in begrenztem Maß – über lokale Sägewerke bereits statt, wie uns Forstleute vor Ort berichteten. Werden hier ökonomische Interessen übergewichtet? Welche Perspektiven, welches Potenzial, welche Vorgaben sollte die Politik der Waldbewirtschaftung im Schönbuch und damit auch der lokalen Holzwirtschaft für die Zukunft geben?

Unser Ziel ist es, primär die Interessen der Bürgerschaft, der Waldbesucher zu vertreten. Wir wollen bei dieser Diskussion im Landtag Ihre Stimme sein. Senden Sie uns Ihre Meinungen, Ihre Anregungen, diskutieren Sie mit uns auf unserer Webseite, in Form von Kommentaren oder per mail an

info@schuetzt-den-schoenbuch.de

Wir werden Ihre Rückmeldungen bündeln, und bei entsprechendem Bedarf gerne einen lokalen Termin zu einer Bürger-Diskussion anbieten.

“Solche Spuren könnten Sie vor den Stadttoren Stuttgarts nicht hinterlassen” – die IG Zugpferde zu Gast im Schönbuch

“Seien Sie versichert, dass Sie aktuell bundesweit sehr viel Beachtung finden.” So sagte es Elmar Stertenbrink, Vorsitzender der Interessengemeinschaft Zugpferde e.V.  und Vorstand der Sozialkammer von FSC Deutschland, einleitend bei seinem Besuch über die Initiative “Schützt den Schönbuch”.

Herr Stertenbrink, der aus Düsseldorf anreiste, war am 6.3. im Anschluss an einen Termin in Stuttgart mit zwei weiteren aktiven Mitgliedern der IG Zugpferde vier Stunden bei der Initiative zu Gast, um sich Schäden der Holzernte vor Ort im Schönbuch anzusehen und mit uns zu diskutieren. Die Initiative hatte Mitarbeiter von ForstBW zum Termin eingeladen. Götz Graf Bülow, stellvertretender Leiter der Abteilung Forst beim Landkreis Tübingen, kam dankenswerter Weise trotz zeitlicher Engpässe hinzu.

Herr Stertenbrink betonte eingangs den hohen Stellenwert des Bürgerinteresses an schonender Waldbewirtschaftung, das die Initiative seit einem Jahr öffentlich wirksam geltend macht und das aus seiner Sicht innerhalb der Forstbewirtschaftung bisher zu wenig Beachtung findet. Mit dem Hinweis auf die Wahl des Schönbuchs zum “Wald des Jahres 2014”, dem nun ein frostfreier Winter sehr zu schaffen mache, leitete er über in eine offene Diskussion über aktuelle Erntemethoden, die wir an drei Stationen führten.

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Wir suchten zunächst eine Stelle mit starken Befahrungsschäden am Kirnberg auf: flächendeckende Verschlammung des Maschinenwegs und im Fortlauf auch der Bärlochallee, plastische Verformung des Bodens und viel Staunässe. Aus Sicht der Waldbesucher eine absurde Situation: Der Bereich ist seit Monaten teils nur abseits des Wegs begehbar.

Die Rückearbeiten wurden dort, wie Graf Bülow erklärte, bereits im Dezember begonnen, mussten jedoch wegen schwerer Bodenverhältnisse unterbrochen werden. Etwa die Hälfte des eingeschlagenen Starkholzes blieb zurück und muss dringend zeitnah gerückt werden – jedoch kann das aufgestaute Wasser aus dem Maschinenweg und den Rückegassen nicht ablaufen. Der Bereich vermittelt 2 Monate nach den Arbeiten immer noch den Eindruck, als wäre er erst vor Tagen zuletzt befahren worden.

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Begehung am 1. März 2014

Am 1. März 2014 war Andreas Thiel, freier Forstingenieur aus Heiligenberg / Bodenseekreis, mit uns im Schönbuch unterwegs. Zu Fuß begingen wir zunächst im kleinen Kreis den Hägnach im Tübinger Stadtwald und einige aktuelle Erntestellen im Bereich Kirnberg.

Herr Thiel war auf unsere Initiative durch den Landesschau-Bericht im SWR-Fernsehen aufmerksam geworden. Er ist im Bodenseeraum als freier Förster im Kleinprivatwald tätig und setzt konsequent auf werterhaltende, schonende und gewinnbringende Erntemethoden.

Die begangenen Bereiche, insbesondere die heftigen Erntespuren auf einem Maschinenweg und in den Rückegassen am Ende des Hauffswegs, führten zu vielen fachlichen Fragen, die wir ab 13 Uhr mit den Herren Ruff, Ammerbucher Revierförster, sowie Graf Bülow von der Tübinger Forstdirektion, in der Ammerbucher Rückegasse zwei Stunden lang andiskutierten.

Es waren sich Alle einig, dass die Erntespuren in dieser Saison an vielen Stellen nicht annähernd dem gewünschten Bild entsprechen. Die sichtbaren Fortschritte der inzwischen teils eingesetzten schweren Bänder-Maschinen, was die geringere Spurentiefe beim Rücken in den Gassen anbelangt, werden durch starke Schäden auf den Wanderwegen relativiert. Die Sanierung der Wege wird Zeit und Kosten beanspruchen, die Wege sind bis dahin für Wanderer praktisch kaum begehbar. Zusätzlich wirft die notwendige Verbreiterung der Rückegassen für schwere Maschinen sowie das Auffüllen der Gassenanfänge mit Wackersteinen Fragen auf.

Beim aktuellen Stand der Technik Antworten zu finden ist nicht leicht.

Graf Bülow nahm die Anregungen von Herrn Thiel zu möglichen differenzierteren Rückemethoden, zum Einsatz von Pferden in sensiblen Bereichen und zu gebrochenen Transporten (Umladen auf leichteres Gefährt) sehr interessiert auf.

Auch unsere Bitte, schmale Waldpfade nicht weiter als Rückegassen auszubauen, fand Anklang. Graf Bülow blickte hier durchaus kritisch auf die bisherige Praxis zurück.

Wir danken Herrn Thiel für sein Interesse und seine Anregungen und allen Beteiligten, dass sie sich am Wochenende Zeit für diese konstruktive Diskussion nahmen.

Rede von Herrn Dietzfelbinger zur ForstBW-Veranstaltung am 7. Februar

Im Folgenden die Rede von Herrn Dietzfelbinger zu der Informationsveranstaltung von ForstBW am 7. Februar 2014:

Ich habe mir lange überlegt, wie ich Sie, die heute und hier zusammengekommenen Menschen ansprechen soll, wo ich doch nur wenige kenne und vor allem, wo ich weiß, daß sicher nicht alle mit der von mir vertretenen Meinung einig sind. Aber nun sind wir da. Die Sorge um den Schönbuch hat uns zusammengebracht, von dieser Sorge sind wir alle getrieben, manche unter uns nicht nur getrieben, sondern aufgewühlt und gejagt. In solcher Sorge um den Schönbuch sind wir alle Freunde des Schönbuchs. Und so wage ich die alle umfassende Anrede „liebe Freunde des Schönbuchs“. Weiterlesen