„So wie das aussieht wollen wir es nicht haben“: Eine Bilanz nach einem Jahr

Liebe Waldbesucher,

erinnern wir uns: im April 2014 gab es eine medienwirksame Begehung unserer Initiative mit Vertretern von ForstBW, der Naturparkverwaltung Schönbuch und dem SWR im Pfäffinger Gemeindewald. „So wie das aussieht wollen wir es nicht haben“, sagte Herr Strittmatter, Leiter der Abteilung Forstdirektion des RP Tübingen, damals über den Zustand einer Rückegasse. Die Gleisbildung war dort deutlich über 40 cm tief. Die Landesschau berichtete.

Im weiteren Verlauf der Diskussion wurde uns ein neues Feinerschließungskonzept von ForstBW vorgestellt, und es wurde uns zugesagt, dass nach diesem Konzept solche Spuren künftig nicht mehr vorkommen dürfen.

Ein Jahr später fragen wir uns: wie wirkt das neue Konzept? Wird es eingehalten? Zwei Bilder, gestern westlich von Walddorf am Tannacker Weg aufgenommen, dokumentieren den Stand der tatsächlichen Entwicklung:

24_03_19

 

 

24_03_20

Abgesehen davon, dass mir beim Dokumentieren der Situation diesmal sogar der Laufschuh in der Rückgasse im Schlamm der Gasse stecken blieb – bei seit Wochen anhaltend trockenem Klima nach einem Winter, der durchaus Frosttage kannte -,  sehe ich wenig Veränderung gegenüber 2014, was die von ForstBW und der Naturparkverwaltung stillschweigend tolerierte Gassentiefe bei der Holzernte anbelangt. Die 40 cm werden offenbar weiterhin überschritten, und solange die Waldbesucher nichts merken und nicht protestieren, geschieht auch nichts. Die abgelichtete Gasse war gestern kein Einzelfall, vergleichbare Zustände fanden sich in 4 weiteren Gassen im Raum Walddorf und Pfrondorf.

Hierzu ein Zitat, auf dessen Einhaltung wir uns, so dachte ich zumindest, 2014 mit der Forstverwaltung verständigten (Hervorhebungen von mir):

„Im landesweiten Konzept zur Sicherstellung der dauerhaften Funktionsfähigkeit von Rückegassen ist als maximal tolerierbare Fahrspurtiefe ein verbindlicher Grenzwert von 40 Zentimeter, gemessen vom Waldbodenniveau, festgelegt.

Bei Gefährdung des Grenzwertes müssen die Arbeiten konsequent eingestellt werden. Für eine praktikable Anwendung des 40 Zentimeter-Grenzwertes gilt, dass tiefere Fahrspuren auf maximal 10 Prozent der Gesamttrassenlänge im Bestand zulässig sind. Jede Rückegasse muss jedoch für sich betrachtet forsttechnisch befahrbar bleiben. Der Maschinenführer hat die Pflicht, bei erkennbarer Gefährdung des Grenzwertes die Arbeiten kurzfristig zu unterbrechen und mit dem Revier- bzw. Einsatzleiter Kontakt aufzunehmen, um das weitere Vorgehen abzustimmen.“

So lautete die Antwort des Ministeriums für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz BW auf eine kleine Anfrage von Dr. Bernd Muschel, MdL, zu Bodenschutz im Forst vom 14.1.2014.

Mir scheint, wir sollten uns allmählich die Frage stellen, inwieweit das zuständige Ministerium des Landes BW noch Herr der Lage ist, was das Vorgehen im Forst betrifft.

Ein weiteres Beispiel, das nachdenklich macht:

Die aktuelle „Anleitung zur Richtlinie Feinerschließung“ des Ministeriums für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz BW sieht für neue Rückegassennetze einen Rückegassenabstand von 40 Metern für „empfindliche Böden“ vor. Hier der link (unten links, Seite 3):

http://www.forstbw.de/fileadmin/forstbw_pdf/gesetze_verordnungen/feinerschliessung.pdf

Ein aktuelles Bild, aufgenommen ebenfalls westlich von Walddorf am Tannacker Weg, deutet darauf hin, dass die Praxis anders aussieht. Hier wurde eine alte Rückgasse (der Bereich in der Bildmitte zwischen den beiden rot markierten Buchen) kurzerhand durch zwei neue Gassen ersetzt, die links wie rechts unmittelbar an die alte Gasse angrenzen. Von einem Abstand von 40 Metern (oder auch nur 20 Metern) kann hier keine Rede sein. Die Bodenstruktur ist ebenso empfindlich wie in dem wenige Meter entfernt liegenden Bereich, wo mir der Schuh stecken bleib.

24_03_27

Mein Fazit:

So wie das aktuell aussieht wollen wir es weiterhin nicht haben!

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