Energiewende – ein „schmutziger Irrtum“?

Liest man den Artikel in der ZEIT vom  4.12.2014 zum Thema Energiewende und Klimawandel aufmerksam, kommen einem erhebliche Zweifel an der Feinjustierung der deutschen „Energiewende“.

Die bisherigen Bemühungen der Regierung, die CO2-Emmission zu reduzieren, indem man auf Ökostrom setzt, erneuerbare Energien (Windräder und Solaranlagen) fördert und die Versorgungslücken möglichst durch emissionsarme Gaskraftwerke zu schließen gedenkt, scheitern offenbar an der Realität des Strommarktes. Denn auch der deutsche Strommarkt funktioniert täglich weiterhin nach dem Prinzip des Verdrängens der teuersten Anbieter.

Das Dilemma sind natürlich nicht die erneuerbaren Energien, sondern die Fehleinschätzung ihrer komplexen Wirkung auf den Strommarkt insgesamt unter den gegebenen Preisverhältnissen.

Unter den fossilen Brennstoffen, die nach den geförderten Energien (Solar und Wind) das Restangebot decken sollen, ist Uran (Atomkraft) am billigsten, gefolgt von Kohle. Am teuersten ist – leider – Erdgas. Die Stromgewinnung aus Kohle produziert mit großem Abstand am meisten CO2. Die Regierung setzt in ihren Zielen nach dem Atomausstiegsbeschluss daher in der Theorie auf Gaskraftwerke, um die anvisierte CO2-Reduzierung zu erreichen, denn Gaskraftwerke produzieren nur halb so viel CO2-Austoß wie Kohlekraftwerke. So weit der Plan.

Die Gaskraftwerke jedoch haben unter den gegebenen Verhältnissen am Markt – vorhersehbar – das Nachsehen: Ihr Anteil an der Stromproduktion fällt, und der CO2-Ausstoss steigt aufgrund der Verschiebung der Marktanteile hin zu Kohlekraftwerken weiter.

Jeden Tag, an dem für den Bedarf bereits ausreichend Wind- oder Solarstrom produziert wird, fällt der Börsenpreis für Strom auf nahe null oder wird gar negativ. Es gibt insgesamt mehr Angebot als Nachfrage.

Kohlekraftwerke sind träge, sie produzieren lieber Strom zu negativen Preisen als ihre Leistung zu drosseln, weil das Wiederhochfahren nach Tagen des Überangebots sehr viel teurer würde als der Verlust, der dem Betreiber durch kurzfristig niedrige Strompreise entsteht. Aus der Kohle holt man hierzulande alles raus, was rauszuholen ist. Wir stoßen so marktblind und recht sinnlos das CO2 aus, das wir einsparen wollten, und unsere Nachbarn nehmen den entstehenden Kohle-Stromüberschuss gern zu attraktiven Preis-Angeboten.

„So zwingen wir, indem wir Wind- und Sonnenenergie subventionieren, am Ende die Betreiber der Kohlekraftwerke, Strom zu produzieren, der nicht nur klimaschädlich ist, sondern auch überflüssig.“

Die Folge: Gaskraftwerke haben einen Wettbewerbsnachteil. Sie sind in der Reaktion auf Niedrigpreise flexibler, denn das Problem des teuren Wiederhochfahrens entfällt für sie; Gaskraftwerke haben aber deutlich höhere Rohstoffkosten gegenüber Kohle. Daher schalten Gaskraftwerke die Produktion lieber runter, als unwirtschaftlich Strom einzuspeisen. Der Anteil CO2-intensiver Stromproduktion steigt so weiter, der CO2-Ausstoß sinkt in der Folge bei Weitem nicht wie geplant.

Folge 2: Unsere Stromüberschüsse – getragen durch Überproduktion der Kohlekraftwerke – werden konkurrenzlos billig ins Ausland exportiert. Auch dort gehen die Anteile der teuren Gaskraftwerke an der inländischen Stromproduktion zurück, z.B. in den Niederlanden.

Folgerung des ZEIT-Artikels:

„Unser subventionierter Grünstrom kann bei unseren Nachbarn noch viele Gaskraftwerke überrollen, ehe in Deutschland das erste Kohlekraftwerk aus dem Markt gedrängt wird“.

Wir können nur hoffen, dass künftig – und möglichst bald – deutlich mehr systemisches Wissen in die Planung der Klimaziele eingehen wird. Auf dem aktuellen Niveau wird man der realen Entwicklung des Klimawandels und der Komplexität des Strommarktes jedenfalls nicht gerecht.

Sie werden sich vielleicht fragen, was dies lokal betrachtet für den Schönbuch und seine Zukunft bedeutet?

– Die Gefahr der Wiederkehr einschneidender Großereignisse – wie z.B. Sturm Lothar am 26.12.1999 –  wird durch den CO2-getriebenen Klimawandel leider weiter zunehmen. Aktuell sehen wir jedoch keine langfristige forstwirtschaftliche Planung, die lokal die Wahrscheinlichkeit eines weiteren Großereignisses dieser Dimension angemessen berücksichtigt.

– Die aktuelle Entwicklung in der Methode der Waldbewirtschaftung, die Ausrichtung hin zu größeren Maschinen, die ihr Gesamtgewicht auf größere Flächen verteilen, und insbesondere der damit einhergehende Trend, Fahrwege und Rückegassen zu verbreitern und durch Wackersteinauffüllungen dauerhaft für Maschineneinsätze zu befestigen, wird von Seiten der Forstverwaltung mit den milden Wintern der vergangenen Jahre begründet.

Rückegassen werden wohl weiterhin zunehmend zu Maschinenwegen ausgebaut werden. Naturnähe geht verloren.

Die Argumentation der Forstverwaltung weist leider weiterhin diese Diskrepanz auf, den Klimawandel dort anzuerkennen, wo er dem wirtschaftlichen Denken letztlich die Verantwortung für die Nebenwirkung der Schäden abnimmt, ohne hingegen mittel- bis langfristig Vorsorge für die Zukunft im Klimawandel zu treffen.

Den ZEIT-Artikel gibt es mittlerweile auch online zum Nachlesen:

http://www.zeit.de/2014/50/schmutziger-irrtum-energiewende-klimawandel

Einen früheren Aufsatz – vom Januar 2013 – zu den in der ZEIT genannten problematischen Aspekten der Energiewende  finden Sie hier:

http://www.science-skeptical.de/energieerzeugung/die-energiewende-scheitert-an-der-physik/009246/

 

 

 

 

 

 

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