Ein Brief von Waltraud Kappler

Sehr geehrter Herr Fink,

ein Artikel mit Foto von der Verwüstung des Schönbuchs in der vergangenen Woche in der Böblinger Zeitung machte mich auf Ihre Interessengemeinschaft aufmerksam.

Es wurde mir bewusst, dass beim fast täglichen Gehen durch den Schönbuchwald nicht nur mir mein Herz blutet und nicht nur ich mich maßlos ärgere.

Ich bin in Pfrondorf geboren, wohne aber in Böblingen. Mutter und Geschwister wohnen immer noch in Pfrondorf, mein Bruder ganz in Ihrer Nähe. Der Schönbuch war immer und ist mein Frischequell. ob in Pfrondorf, beim weißen Stein, oder Bebenhausen: Der Frevel beim Eichenfirst ist kein Einzelfall, auch zwischen weißer Stein, Bebenhausen und Golfplatz sieht der Wald und der Waldboden verwüstet aus. Tonnenschwere Fahrzeuge und Maschinen haben auch da rücksichtslos gewütet.

Wenn man den Holzeinschlag überall beobachtet, ob nun am Eichenfirst, im Hägnachwald, im Böblinger oder Bebenhäuser Wald, könnte man meinen, dass beschlossen wurde, alle die weit mehr als 100 Jahre alten Eichen und Buchen, die Wächter unseres Schönbuchwaldes, zu entfernen. Scheinbar regiert auch im Wald nur noch das Geld. Warum sieht man aber dann mancherorts schöne, alte Stämme nach mehr als 2 Jahren immer noch am Wegrand liegen? Teilweise schon von Gras und Moosen überwuchert. Wurde doch zu viel geschlagen? Trotzdem sieht man oft an jenen Stellen immer noch uralte, hohe Bäume stehn, welche die rote Fällmarkierung tragen.

Man fragt sich, wie viel Hirn die Verantwortlichen eigentlich haben? Auch die an den Erntestellen kreuz und quer aufgetürmten Baumkronen, ungeachtet der dortigen Jungpflanzen, welche oft schon 1 Meter hoch stehen, bringen einen zum Weinen.

Nichts gegen ausgewiesene Bannwälder im Schönbuch, der Artenvielfalt zuliebe. Dort wüten auch keine tonnenschweren Kolosse, und Baumkronen werden nicht abgesägt und einfach achtlos in den Wald geworfen und aufgetürmt. Hier sind Wald und Natur sich völlig selbst überlassen.

Ich kenne den Wald noch anders. Bin Jahrgang 44 und ging während meiner Schulzeit noch mit Mutter am Mittwochnachmittag in den sogenannten Holztag. Das am Boden liegende Holz wurde von Hand gesammelt und mittels Bollerwagen nach Hause gezogen. Mir sind in jener Zeit mehr Wild, mehr Vogelarten und Kriechtiere begegnet als heute. Es gab mehr Pflanzen am Waldboden wie Maiglöckchen, Anemonen, Scilla, Immergrün, Veilchen, Fingerhut, Frauenschuh und Seidelbast, aber weniger Bärlauch. Von wegen man brauche dieses Wald-Holz-Chaos der Artenvielfalt zu liebe!

Anbei die Satire „das Arme Reh“, welche ich schon Anfang 2012 schrieb, und einige meiner Schönbuchgedichte, ebenfalls aus dieser Zeit. Wenn man heute die Verwüstungen im Schönbuchwald sieht, lesen sich meine Gedichte fast wie aus einer anderen Zeit.

Mit freundlichen Grüßen

Waltraud Kappler

P.S.: Die Gedichte von Frau Kappler werden wir zeitnah auf die Webseite stellen.

 

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